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Führung und Erziehung über bedürfnisbefriedigung - Der souveräne Entscheidungsträger mit Vorbildfunktion - Die formale Dominanz

Die formale Dominanz als Führungsvorbild. Günther Bloch trifft in einem Interview mit TASSO eine für uns Hundehalter extrem wichtige Aussage: "Die Hauptregel für formale Dominanz bei Kaniden ist die Vermittlung von Schutz und Geborgenheit." 

 

Schutz und Geborgenheit sind wohl die wichtigsten Grundbedürfnisse aller empfindungsfähigen Lebewesen. Doch wer  dominant in einer Gruppe auftreten kann, der benötigt Gruppenmitglieder die sich ihm freiwillig unterwerfen, die also seine Autorität anerkennen.

 

Autorität wird im Duden mit folgender Bedeutung beschrieben: 

1. Auf Leistung oder Tradition beruhender Einfluss einer Person und daraus erwachsenes Ansehen.

2. Persönlichkeit mit maßgeblichen Einfluss und hohem fachlichen Ansehen.

Bleiben wir bitte noch etwas bei der Begriffsdefinition und betrachten uns noch einmal kurz einige Synonyme zu dem Begriff Autorität

= Anerkennung, Ansehen, Einfluss, Führungskraft, Führungsqualität, Kompetenz, Wertschätzung, Experte, Kapazität, Koryphäe,...

 

Einfach übersetzt bedeutet es also, dass ich mich an jemanden orientiere und mich seinen fachlichen Anweisungen freiwillig unterwerfe, weil er auf diesem Gebiet besser ist als ich. Wenn ich seinen Thesen folge, bedeutet es, dass ich mich vor Gefahren schützen kann und die richtigen Entscheidungen von jemanden getroffen werden, der weiß was richtig und gut ist. Wenn ich dann noch sehe, dass sich diese Koryphäe darum bemüht, dass es mir gut geht, meine lebensnotwendigen Bedürfnisse durch seinen Erfahrungsschatz und seine Handlungen gesichert werden ...ja dann werde ich doch einen Teufel tun, mich gegen diese Person aufzulehnen. Schon ein Augenrunzeln oder ein erhobener Zeigefinger würden mir dann sagen, dass ich hier gerade eine für mich ungünstige Richtung einschlage.

 

Günther Bloch und Elli H. Radinger schreiben dazu in ihrem Buch "Wölfisch für Hundehalter": "Formal dominant sind Tiere, die in erster Linie soziale Geborgenheit vermitteln, aber auch der jeweiligen Gegebenheit angepasst nach eigenem Willen handeln. Wirklich dominant ist derjenige, der beispielsweise durch einen fixierenden Blickkontakt oder eine andere deutliche Demonstrationsgeste (wie Weg abschneiden oder Weg blockieren) eine Situation regeln kann. Denn so werden Konflikte im eigenen Interesse gelöst - und zwar ohne offen aggressive Handlungen wie zum Beispiel Ernstkämpfe. Grundsätzlich bedeutet die Umsetzung von formaler Dominanz etwas viel Wichtigeres, nämlich die Vermittlung von Schutz! Wer Abgeklärtheit und Gelassenheit ausstrahlt, wer als Leittier in der Lage ist, wichtige Lebensweisheiten zu vermitteln, wirkt auf seine Schutzbefohlenen auch so unwiderstehlich."

Führen wie Wolfseltern ihr Rudel anleiten, Führen weil unser Hund unsere Kompetenz ungefragt anerkennt, Führen können weil wir unwiderstehlich für unseren Hund sind ... hört sich das denn nicht wirklich einfach nur super klasse an? 

 

Wie Wolfseltern, wissen wir Menschen es doch besser wie man in unserer menschlich gestalteten Welt am besten überlebt. Jetzt müssen wir nur noch die Bedürfnisse unseres Hundes in diesem Rahmen berücksichtigen und diese für ihn sicherstellen und schon klappt es mit der Führung ohne Gewalt. Das bedeutet für mich dann wirklich - Führung und Erziehung mittels formaler Dominanz - seinem Hund also ein Souveräner Entscheidungsträger mit Vorbildfunktion sein. Das bedeutet aber auch, dass wir uns erst wirklich diese Führungskompetenz erarbeiten müssen - erst dann spricht auch nichts mehr dagegen unseren Hund mittels eines Abbruchsignales vor Gefahren zu bewahren.   

Die Bedürfnisse des Menschen sind mittlerweile ausgiebig wissenschaftlich erforscht - siehe hierzu die Bedürfnispyramide von Abraham H. Maslow. Bei Hunden ist dieses so wichtige Thema leider noch nicht vollständig wissenschaftlich belegt, doch wurden schon einige gleichlautende Erhebungen zu den Bedürfnissen der Hunde getroffen. Die in dem Maslow Diagramm als Defizitbedürfnisse bezeichneten Bedürfnisse, dürften bei Mensch wie Hund sehr ähnlich sein. Nichterfüllung von Defizitbedürfnissen können psychische wie physische Störung bei dem Individuum hervorrufen! Bei den Wachstumsbedürfnissen besteht momentan noch der größte Diskussionsbedarf wenn es um den Hund geht. In neueren Forschungen wurden allerdings mittlerweile von mehreren namhaften Wissenschaftlern wie z.B. Bekhoff, O'Heare, Feddersen-Petersen folgende Aussagen getroffen: "Hunde haben ein reichhaltiges Gefühlsleben, Hunde haben durchaus eine Art Bewusstsein und sind auch innerhalb ihrer menschlichen Gruppe sehr sozial ausgerichtet. Schon C. Darwin hat nur einen graduellen Unterschied zwischen Mensch und Tier gemacht, keinen grundsätzlichen. 

 

 

Hier also nun das derzeit gängiste Model zu der Bedürfnispyramide Hund:

Man könnte die Bedürfnisse eines Hundes aber auch in  eine eher biologische Sichtweise einteilen und darstellen:

 

Der Hund als Lebewesen:

Nahrung, Wasser, Schlaf und Ruhe, Ausscheidung, Distanz, Rückzugsmöglichkeit, Nähe, Freiräume, Reproduktion,  Umweltreize in Maßen, Abwechslung, Spielen und Lernen, olfaktorische Erfassung

 

Der Hund als Rudeltier:

Sozialkontakt zu Menschen und Artgenossen, Rangordnung, klare Hierarchie, Konsequenz, eine Aufgabe haben, das Gefühl etwas wert zu sein, Sicherheit, Schutz und Geborgenheit, feste Bezugsperson(en), Orientierung, fester Rahmen und Grenzen, olfaktorische Kommunikation

 

Der Hund als Bewegungstier:

Rennen, Laufen, Springen, Kräfte messen, Herumtoben, Schwimmen, Planschen, Buddeln

 

Der Hund als Jäger:

Orten, Fixieren, Anpirschen, Hetzen, Packen, Schütteln/Töten, Zerreißen, Nasenarbeit, Futtersuche, Erfolg

 

Der Hund als Hüter:

Bellen, Umrunden, Zwicken, Festhalten, Zusammentreiben, etwas Hüten, Aktivität

 

Der Hund als Beschützer:

Ein Territorium bewachen, Bellen, Knurren, Vertreiben, Aussichtspunkte erklimmen, Bewegungsspielraum

 

(Die hier dargestellten Auflistungen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.)

Die Bedürfnisse unseres Hundes zu kennen, ist deshalb so wichtig, weil wir erst dann verstehen können zu welchen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sich dieses Lebewesen durch unsere Erziehung entwickeln und formen lässt. Wenn wir die Bedürfnisse unserer Schutzbefohlenen nicht respektieren, verlieren wir automatisch an Vertrauen dass unsere Handlungen nachahmenswert sind. Wir verlieren an Ansehen und unserer natürlichen Autorität, unsere formale Dominanz gegenüber unserem Zöglings würde in Frage gestellt werden. Doch wenn wir das wichtige Erziehungsinstrument der formalen Dominanz, also unsere natürliche Autorität, verloren haben, was bleibt uns dann noch? Damit wären wir dann wieder bei der gewaltvollen Einforderung von blindem Gehorsam -> ein ganz klares Zeichen welches die Hilflosigkeit eines jeden Erziehers dokumentiert!

 

Zu der Frage "Was ist Erziehung?", empfinde ich folgende Definition als besonders zutreffend: "Erziehung ist an eine Hierarchie gebunden: „Erziehung ist … dasjenige Handeln, in dem die Älteren (Erzieher) den Jüngeren (Edukanden) im Rahmen gewisser Lebensvorstellungen (Erziehungsnormen) und unter konkreten Umständen (Erziehungsbedingungen) sowie mit bestimmten Aufgaben (Erziehungsgehalten) und Maßnahmen ( Erziehungsmethoden) in der Absicht einer Veränderung ( Erziehungswirkungen) zur eigenen Lebensführung verhelfen, und zwar so, dass die Jüngeren das Handeln der Älteren als notwendigen Beistand für ihr eigenes Dasein erfahren, kritisch zu beurteilen und selbst fortzuführen lernen“ (Bokelmann, in Speck & Wehle 1970, S. 185). (Stangl, 2017).
Verwendete Literatur
Stangl, W. (2017). Stichwort: 'Erziehung'. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: 
http://lexikon.stangl.eu/1410/erziehung/ (2017-12-15) 

Erziehung, Anleitung und Führung eines Schutzbefohlenen bedeutet demnach etwas völlig anderes, als einen willenlosen Konditionierungsautomaten heranzuziehen. Dagegen wird sich auch jedes empfindungsfähige Lebewesen mit Ich-Bewusstsein mehr oder weniger zur Wehr setzen, ergo nicht mehr freiwillig unterwürfig folgen! 

 

Aus meiner jahrzehntelangen praktischen Erfahrung in der Hundeerziehung, vertrete ich mittlerweile folgende Philosophie:

Es ist unsere Pflicht als Betreuer eines Schutzbefohlenen die Defizitbedürfnisse (körperliche Grundbedürfnisse, Sicherheit und Sozialkontakt) abzudecken und mittels einer sinnvollen Verwendung der Wachstumsbedürfnisse, unsere Hunde nach unserem Willen zu Formen und zu Erziehen. 

 

Wir werden im Rahmen der Erziehung unserer Hunde zwar nicht jede Bedürfniserfüllung bereitstellen können, wie z.B. Reproduktion, Jagd, Vertreiben,... Doch wenn wir um die natürlichen Bedürfnisse unserer Hunde wissen, so können wir diese als anerkannte Führungskraft in den meisten Fällen doch zur beidseitigen Zufriedenheit umlenken und zu unserem Erziehungsinstrument umgestalten. 

 

Es ergibt sich daraus auch, dass wir auf unseren Hund nicht böse sein müssen wenn er an einem Grashalm schnuffeln will, wenn er zur Verteidigung unseres Territoriums den Postboten bellend vertreiben möchte, dass er sich ängstlich hinter uns stellt weil ein Artgenosse auf ihn zugeschossen kommt, oder diesen evtl. sogar offensiv vertreibt, wenn er in einem explosiven Bewegungsdrang einfach mal seine "gespinnerten 5min" auslebt,...  jetzt wissen wir zumindest das er einfach nur seiner Art entsprechend handelt. Bei manchen Dingen können wir nun einfach verständnisvoll lächelnd daneben stehen, bei anderen werden wir unserem Hund unsere Werte in unserer menschlich gestalteten Gesellschaft vermitteln müssen -> durch ein gelassenes Vorleben und durch die Vermittlung von Geborgenheit und Schutz für unseren Hund! Es bedeutet aber auch, dass wir unsere Hunde nach unserem Willen formen können, wenn wir ihn in seiner Weiterentwicklung fördern, ihn auch mal eigenständig auf die richtige Idee kommen lassen, ihm guten Zuspruch und Anerkennung zukommen lassen, ihn mit Geduld und Respekt behandeln. Die Erfüllung der Wachstumsbedürfnisse bedeuten für unsere Hunde so viel mehr als ein Leckerli. 

 

Ich wünsche mir dass wir alle zu souveränen Entscheidungsträger mit Vorbildfunktion für unsere Hunde werden, damit unsere Hunde unsere formale Dominanz ungefragt anerkennen und dadurch unsere natürliche Autorität als Ersatzeltern respektieren. 

 

Ein gewaltfrei arbeitender Hundetrainer oder Verhaltenstherapeut kann jedem Hundehalter helfen, so für seinen Hund unwiderstehlich zu werden. Dominanz (nach der modernen Dominanztheorie) ist folglich nichts Böses oder Verwerfliches, ganz im Gegenteil, es formt uns zu einem emphatischen, besseren und kompetenten Leit-Menschen, dem man gerne folgen wird!

 

Eure Gaby

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